Entwicklungsfaktor Tourismus

Entwicklungsfaktor Tourismus

Welchen Beitrag leisten Touristen aus Deutschland zur regionalen Entwicklung und lokalen Wertschöpfung in Entwicklungs- und Schwellenländern? Neue Studie der IW Consult im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft gibt Aufschluss

13.10.2015

Die neue Studie „Entwicklungsfaktor Tourismus“ verdeutlicht, dass Touristen aus Deutschland in Entwicklungs- und Schwellenländern wesentlich zur ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung beitragen können. Ausgewählte ökonomische Aspekte lauten wie folgt:

  • Im Jahr 2012 sind 11,2 Millionen Touristen aus Deutschland in Entwicklungs- und Schwellenländer gereist.
  • Die Ausgaben deutscher Touristen bei solchen Reisen belaufen sich auf 13,5 Milliarden Euro.
  • Nach Abzug der Einkäufe von Tourismusunternehmen (einschließlich Importen) verbleiben 6,9 Milliarden Euro als direkter Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt.
  • Werden zusätzlich zu den direkten Effekten auch indirekte und induzierte Effekte betrachtet, dann leisten deutsche Tourismusausgaben einen Gesamtbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 19,2 Milliarden Euro.
  • Durch ihre Reisen und die damit verbundenen Ausgaben, ermöglichen es deutsche Touristen rund 738.000 Personen in Entwicklungs- und Schwellenländern direkt im Tourismus einer Beschäftigung nachzugehen.
  • Werden indirekte und induzierte Effekte ebenfalls berücksichtigt, sorgen deutsche Touristen für insgesamt 1,8 Millionen Arbeitsplätze.
  • In Entwicklungs- und Schwellenländern schafft jeder deutsche Tourist im Durchschnitt direkt 0,07 sowie indirekt und induziert 0,10 Arbeitsplätze. Insgesamt schafft ein deutscher Tourist also durchschnittlich 0,17 Arbeitsplätze.
  • Das bedeutet, dass durch 15 deutsche Touristen eine Person direkt im Tourismus beschäftigt wird. Werden die indirekten und induzierten Effekte mitberücksichtigt, sind etwa sechs Touristen für einen Arbeitsplatz in Entwicklungs- und Schwellenländern erforderlich.

Es würde zu kurz greifen, den Einfluss des Tourismus auf ökonomische Aspekte zu beschränken. In der Studie werden daher auch gesellschaftliche Aspekte betrachtet. Einige dieser Aspekte sind die folgenden:

  • Wenn sich die Anzahl der Ankünfte internationaler Touristen in einem Entwicklungs- oder Schwellenland verdoppelt, steigt der Alphabetisierungsgrad um durchschnittlich ca. 1,1 Prozentpunkte.
  • Zwischen der Anzahl der Touristenankünfte und der Ungleichheit der Einkommen besteht ein u-förmiger Zusammenhang: Wenn die Anzahl der Touristenankünfte steigt, sinkt die Ungleichheit zunächst, dann steigt sie wieder.
  • In Entwicklungs- und Schwellenländern besteht ein positiver Zusammenhang zwischen den Touristenankünften und der politischen Partizipation: Verdoppelt sich die Anzahl der Ankünfte, steigt der Index der politischen Teilhabe der Weltbank um durchschnittlich ca. 0,08 Punkte.
  • Weiterhin besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Anzahl der Touristenankünfte und dem Zugang zu einer verbesserten Wasserquelle: Wenn sich die Anzahl der Ankünfte verdoppelt, steigt der Zugang um durchschnittlich ca. 1,9 Prozentpunkte.
  • Ebenso besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Anzahl der Touristenankünfte und dem Zugang zu Elektrizität: Wenn sich die Anzahl der Ankünfte verdoppelt, steigt der Zugang um durchschnittlich ca. 0,7 Prozentpunkte.

Die Studie wurde vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft in Auftrag gegeben und von der IW Consult gemeinsam mit Prof. Dr. Edgar Kreilkamp von der Universität Lüneburg erstellt. Sie kann hier oder unter www.btw.de als Kurz- oder Langfassung heruntergeladen werden.

Download (PDF):

Langfassung Entwicklungsfaktor Tourismus

Kurzfassung Entwicklungsfaktor Tourismus