Studie:Großhandel in Deutschland.
Eine unterschätzte Wirtschaftsgröße

Digitale Lagerhalle mit autonomen und vernetzten Logistikrobotern

Studie

Der Großhandel:
unterschätzt, aber unverzichtbar

Der Großhandel sichert die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung, doch seine Bedeutung wird in Politik und Öffentlichkeit oft unterschätzt. Die Studie „Großhandel in Deutschland. Eine unterschätzte Wirtschaftsgröße“ im Auftrag des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA) setzt genau hier an. Grundlage sind amtliche Statistiken und eine Unternehmensbefragung aus dem Frühjahr 2026 mit 125 Großhandelsunternehmen. Die Studie zeichnet ein klares Bild des Groß- und Außenhandels: Wie gelangen Waren und Vorprodukte in Deutschland zu den Kunden, und welchen Beitrag leistet die Branche für Wohlstand und Beschäftigung?

Außenhandel

Großhandel organisiert jeden vierten Warenimport

Der Großhandel hat einen Anteil von rund 14 Prozent am Umsatz der deutschen Wirtschaft. Trotzdem wickelt er gut ein Viertel aller deutschen Warenimporte ab. Die klassische Außenhandelsstatistik hat diese Rolle bislang kaum sichtbar gemacht.

  • Importe: Die Importquote liegt im Großhandel bei 16,9 Prozent, in der Gesamtwirtschaft bei 9,3 Prozent.
  • Exporte: Der Großhandel organisiert 11,4 Prozent der deutschen Warenexporte.
  • Breite Basis: Knapp 92 Prozent der Großhandelsunternehmen importierten 2024 Waren oder Dienstleistungen.
  • Europa im Fokus: Zwei Drittel der Einkäufe stammen aus dem EU-Ausland, China kommt auf rund 15 Prozent.

Gerade für mittelständische Unternehmen senkt der Großhandel die Eintrittsbarrieren in den internationalen Handel.

Wertschöpfung

Großhandel mit erheblichem Beitrag zum Wohlstand

Der Großhandel trägt rund 5,4 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei (inklusive Kfz-Großhandel, Stand 2025). Damit liegt er vor der Automobilindustrie mit 3,7 Prozent und der Bauwirtschaft mit 5,1 Prozent.

Die wichtigsten Befunde:

  • Hohe Produktivität: Im Jahr 2024 lag die Produktivität des Großhandels 21,2 Prozent über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. 2015 waren es 13,1 Prozent.
  • Attraktive Einkommen: Hohe Produktivität ermöglicht gute Einkommen für die Beschäftigten.
  • Stabilitätsanker: Die Bedeutung des Großhandels war – im Gegensatz zur Industrie – in den letzten Jahren stabil.

Herausforderungen

Strukturwandel im Großhandel: Renditedruck und digitaler Umbruch

Trotz seiner Stärke steht der Großhandel unter wirtschaftlichem Druck. Die Umsatzrendite lag im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024 bei 3,2 Prozent, die Gesamtwirtschaft kam auf 4,4 Prozent.

Die Studie zeigt zentrale Spannungsfelder:

  • Sinkende Renditen: Knapp 68 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer verschlechterten Umsatzrendite zwischen 2023 und 2025. Für 2026 erwarten sie weitere Rückgänge.
  • Weniger Unternehmen: Die Zahl der Großhandelsunternehmen sank zwischen 2018 und 2023 um 12 Prozent.
  • Digitalisierung als Chance: 47 Prozent der deutschen Großhandelsunternehmen haben einen hohen oder sehr hohen Digitalisierungsgrad. Im Durchschnitt aller Branchen sind es 42 Prozent.

Digitale Plattformen und direkter Firm-to-Firm-Handel verändern den Wettbewerb. Die Studie sieht den Großhandel als digitalen Knotenpunkt in Wertschöpfungsnetzwerken.

Digitale Lagerhalle mit autonomen und vernetzten Logistikrobotern

Großhandel in Deutschland. Eine unterschätzte Wirtschaftsgröße

Studie für den Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.

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